Kitchecker Modell Journal

Saving Private Ryan – The battle of Ramelle

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Wer die Stimmung beim Durchlesen des Berichtes verbessern möchte, sollte den Audio Player oben abspielen. Lautsprecher aufdrehen!


Wahrscheinlich kennt jeder, der diese Zeilen liest, den Film „Der Soldat James Ryan“ – im englischen Original „Saving Private Ryan“. Ein mehrfach ausgezeichneter Kriegsfilm der mit dramatischen Aufnahmen schonungslos die Schrecken des Krieges zeigt.

Mein Bruder und ich wollten unbedingt eine Szene aus diesem Film im Modell darstellen. Aber welche? Es gab mehrere zur Auswahl. Neben der Landung am Omaha Beach fanden wir das Finale auf der Brücke in Ramelle am aussagekräftigsten – spiegelt es doch den Wahnsinn des Krieges in eindrucksvoller Weise wider: Captain John H. Miller schießt mit seiner Pistole völlig chancenlos auf einen deutschen Tiger-Panzer. Daher auch der Untertitel unseres Dioramas: 8,8 cm vs. cal.45

Nun ging es an die Umsetzung unserer Idee. Unser Ziel war, die Szene so nahe wie möglich dem Original nachzubauen. Nach intensivem Filmstudium legten wir anhand des Tigers, dessen Ausmaße ja bekannt sind, und der handelnden Personen die Größe der Brücke fest. Wir druckten Sreenshots aus, um Vorlagen zu haben, an denen wir uns beim Bau orientieren konnten.

Ab diesem Zeitpunkt teilten wir uns die Arbeit auf. Ich war für die Brücke, das Wasser und die Dioramenplattform verantwortlich, während sich mein Bruder Helmut um die Fahrzeuge und Captain Miller kümmerte. Für mich war das keine leichte Aufgabe, hatte ich doch vorher noch nie ein Dio gebaut – aber wie heißt es so schön: man wächst mit seiner Aufgabe.

Als ersten Schritt zeichnete ich einen Plan der Brücke in 1:35 und überlegte mir, aus welchem Material ich sie bauen sollte. Meine Wahl fiel auf Modur Modellbauhartschaum der Firma Puren. Den gibt es in Platten mit verschiedenen Stärken und er lässt sich sehr leicht verarbeiten. Ich klebte mehrere dieser Platten mit Weißleim zusammen, um die richtige Breite der Brücke zu bekommen, und schnitt mit einer Bandsäge die Bögen aus. Auf diese Weise stellte ich auch die Brückenbasis, die vier dreieckigen Vorsprünge, das Geländer aus „Stein“ und die vier Abschlussmauern her, die später mit der Grundkonstruktion verbunden wurden.

Nun ging es ans Gravieren der „Steine“. Ich zeichnete grob mit Filzstift die großen Blöcke ein und arbeitete die Fugen mit Modellierwerkzeug heraus. Die kleineren Steine habe ich freihand herausgearbeitet. Damit die Oberfläche ein realistisches Aussehen bekommt, habe ich die Steine an verschiedenen Stellen eingedrückt bzw. kleine Teile davon herausgebrochen. Ein Problem hat sich an den Klebefugen ergeben. Der ausgehärtete Leim konnte nicht graviert werden. Also mussten hier die Fugen mit schwarzer Farbe dargestellt werden. Man sieht das z.B. an der Verbindungsstelle zwischen Geländer und Unterbau.

Um die doch sehr poröse Oberfläche des Hartschaums etwas zu glätten habe ich alle Teile mehrmals mit Innendispersionsfarbe aus dem Baumarkt gestrichen. Das Ergebnis war überzeugend und stellt grob gehauenen Stein halbwegs realistisch dar.

Grundiert wurde die Brücke mit Gunze H307. Jeder Stein bekam dann noch mit H305, H310 und H72 sein individuelles Aussehen. Es folgten diverse Washings mit stark verdünnter schwarzer Ölfarbe, um die Fugen zu betonen. Mehrere Filter wurden gesetzt, um die Farben zu verblenden und natürlich erfolgte ein Drybrushing mit aufgehellten Grundfarben.

Für die Darstellung der Fahrbahn war der Hartschaum nicht geeignet, unter anderem weil Straßenbahnschienen, die ich übrigens aus U- und T-Profilen angefertigt habe, eingebaut werden mussten. Für diesen Zweck haben sich am besten Depafit Leichtschaumplatten geeignet. Nach dem Abziehen des außenliegenden Kartons erhält man eine leicht zu bearbeitende Fläche. Hier wurde wieder jede „Steinfuge“ einzeln mit Gravierwerkzeug in die Oberfläche eingedrückt. Eine langwierige Angelegenheit, die gefühlte zwei Monate dauerte. Die Farbgebung der Fahrbahn erfolgte analog der oben beschriebenen Vorgangsweise.

Kommen wir zur Wasserdarstellung: Die hölzerne Grundplatte habe ich bereits in dunklen Grüntönen vorlackiert. Um einen überzeugenden Wassereffekt zu erhalten, habe ich Epoxyd-Giessharz „wasserklar“ verwendet und in zwei Durchgängen gegossen. In die untere Lage wurde Universal-Farbpaste bronzegrün und schwarz gemischt. Achtung: nur ganz wenig Farbe verwenden, sonst ist das Wasser nicht mehr durchsichtig. Die obere Schicht wurde „pur“ gegossen, was einen gewissen Tiefeneffekt ergibt.

Nach dem Aushärten, das übrigens mehrere Tage dauert, hat man eine spiegelglatte Oberfläche wie bei einem stillen See. Weil es sich aber um einen Fluss handelt, musste diese etwas strukturiert werden. Ich habe kristallklares Acrylgel dünn auf die Oberfläche aufgetragen, eine kleine glatte Spachtel – ähnlich einem Tortenheber – aufgedrückt und dann senkrecht in die Höhe gehoben. Dadurch entstand eine wellenähnliche Struktur, die später mit weißer Ölfarbe noch etwas betont wurde.

Bei der Dioramabase entschieden wir uns für eine Holzkonstruktion, die einer Munitionskiste ähnlich sieht, was den Vorteil hat, dass durch die Griffe das Dio leicht getragen werden kann. Sie wurde grün gestrichen und die Schrift mit Hilfe selbstklebender Schablonen mit der Airbrush gelb auflackiert.

Jetzt musste wie im Film die Fahrbahn noch mit allerlei Geröll, Munitionskisten, Koffern, Sandsäcken (hat mein Bruder aus Magic Sculp gebaut) u.s.w. „zum Leben erweckt“, die ganze Szene mit MIG-Pigmenten eingestaubt werden und mein Part zu „Saving Private Ryan“ war erledigt.


Aus der Bauphase der Brücke gibt es leider nur sehr wenige Bilder:


Mein Bruder ist ja schon intensiv auf die Idee und den Bau des Dioramas eingegangen. Nun möchte ich euch ein bisschen über den Bau der Fahrzeuge und der Figur, für welche ich zuständig war, erzählen.

Der Tiger/T-34

Begonnen habe ich mit dem zentralen Fahrzeug des Dioramas, dem „Tiger“, welcher so gesehen eigentlich kein echter Tiger ist, aber dazu später mehr. Das Fahrzeug habe ich bereits HIER mit jeder Menge Bilder aus der Bauphase vorgestellt und bin auch schon auf die Geschichte zur Entstehung des Modells und den Film-„Prop“ eingegangen. Dementsprechend kurz werde ich mich halten.

Kurz gefasst ist der Panzer, wie im Film eine Mischung aus T-34 und Tiger. Das Fahrgestell und die Ketten entsprechen, wie im Film, dem eines T-34. Der Wannenaufbau hingegen wurde einem Tiger I nachempfunden. Die Laufrollen entsprechen weder denen eines Tigers, noch denen eines T-34. Ich denke da wollten die Konstrukteure einfach etwas verwenden, das „Deutsch“ aussieht. Die Laufrollen ähneln nämlich denen eines Panthers. Im Modell entstanden die Laufrollen an der Drehbank. Ein Kumpel von mir hat diese aus Plastik angefertigt. Die Ketten sind die T-34 „Waffelmuster“-Ketten von Friul. Diese kann man auch gut an dem Filmpanzer erkennen. Verwendet wurden zwei verschiedene Bausätze, zum einen der T-34/76 Bausatz von Dragon, von dem ich lediglich die Federarme für die Laufrollen verwendet habe. Zum anderen, der Bausatz des Tiger I late, ebenfalls von Dragon. Diesem Bausatz entstammt der Rest des Modells. Auf die Bemalung werde ich nicht weiter eingehen, da dies sonst den Rahmen hier sprengen würde. Bitte seht euch den Beitrag HIER an, wenn ihr mehr zur Entstehung des Tiger/T-34 lesen, Bzw. sehen möchtet.


Das Kettenkrad

Als nächstes habe ich mich dem Kettenkrad zugewandt, welches ebenfalls aus dem Hause Dragon stammt und wir bereits HIER vorgestellt haben. Ein zusätzlicher Ätzteilsatz der Firma Eduard, sollte das Ganze abrunden. Hier gibt es nicht viel zu sagen, außer, dass der Zusammenbau und die Lackierung viel Spaß gemacht haben. Der Rest war eigentlich Modellbau „101“.


Die Zündapp

Nach dem Tiger und dem Kettenkrad widmete ich mich der Beiwagenmaschine. Das im Film gezeigte Motorrad ist, soweit ich mich erinnern kann, kein Motorrad welches in der Deutschen Wehrmacht Verwendung fand, sondern ein auf „Militärisch“ umgebautes, ziviles Motorrad. Wir haben lange hin-und- her überlegt, was wir denn verbauen sollten. Unsere Wahl fiel schließlich auf die Zündapp, welche dem uralten 8,8cm Flak Bausatz von Tamiya beigelegt war. Dieses Modell entsprach dem, des im Film gezeigten, am ehesten. Leider hat die Tamiya BMW keinen Beiwagen, so mussten wir erneut auf die Suche gehen, um zu sehen was dazu passen würde. Der Italienische Hersteller „Italeri“ hatte die Lösung parat. Ich entnahm dem Bausatz einer BMW R-70 Beiwagenmaschine, lediglich den Beiwagen und trimmte ihn passend zur Zündapp von Tamiya. Hierzu musste zunächst die Halterung des Reserverades mit Zwei Komponenten Putty verschlossen werden. Der extrem dicke Kotflügel musste ebenfalls ausgedünnt werden, um den Proportionen zu entsprechen. Die Achse, welche die beiden Fahrzeuge verbindet, passte überraschenderweise, ohne jegliche Umbauarbeiten.

Ein Ätzteilsatz der Firma Eduard wurde für die Zündapp verwendet, Bremskabeln und Zündkabeln wurden mittels Kupferdraht realisiert. Die abgerissene Federung des Fahrersitzes wurde ebenfalls aus Kupferdraht umgesetzt. Zudem habe ich noch einen Platten Vorderreifen aus Milliput erstellt.

Lackiert wurde mit Farben aus dem Hause Tamiya. Die Alterung wurde wie bei den vorangegangenen Modellen umgesetzt.


Das Fahrrad

Das letzte „Fahrzeug“ welches für dieses Projekt gebaut wurde, war das Fahrrad, welches wie im Film an der Brückenmauer lehnt. Ein alter Tamiya Bausatz, der ebenfalls mit Eduard Ätzteilen etwas aufgepeppt wurde. Die größte Herausforderung waren hierbei die Felgen. Es war nicht einfach diese genau dem Radius des Plastikrahmens anzupassen.


Die Sandsäcke

Zwischendurch habe ich die Sandsäcke erstellt, welche komplett aus Magic Sculp entstanden sind. Die naht an den Rändern habe ich durch sehr dünnen Kupferdraht erstellt. Die Säcke wurden in mehreren Durchgängen übereinander gelegt, um das Gewicht, welches von Oben herunterdrückt besser darzustellen. Diese Arbeit nahm sehr viel Zeit in Anspruch, da man jeden einzelnen Sandsack modellieren und dann entsprechend, der unteren Lage anpassen muss. Danach alles noch mit Kupferdraht versehen und im Anschluss bemalen. Da gingen schon einige Modellbau Abende drauf, bis alles fertig war.

Rohbau der Sandsäcke:


Das Ruderboot

Das “abgesoffene“ Ruderboot entstand komplett im Eigenbau. Eine Grundplatte wurde zurechtgeschnitten, auf der der Rest des Aufbaues dann von statten ging. Jedes Paneel wurde mittels Skalpell graviert um eine Holzmaserung zu erhalten. Die Auflagen für die Ruder wurden aus Teelichtbehältern gefertigt, die Öse zur Befestigung des Taus, wurde aus Kupferdraht gebogen.

Rohbau des Ruderbootes:


Der Zahnarztstuhl

Der Sessel, welcher irgendwie wie ein Zahnarztsessel aussieht entstand ebenfalls komplett im Eigenbau. Die Maße dazu wurden einfach anhand der Screenshots aus dem Film geschätzt. Verwendet habe ich dazu verschieden starke Plastik sheets und Rundstab-Profile von Evergreen.


Captain Miller

Die Schwierigste Aufgabe aber, habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben….. Captain Miller. Lange habe ich überlegt, wie ich den am besten umsetzen könnte. Aus Teilen mehrerer Figuren? Git es etwas Entsprechendes am Figurenmarkt? Nach langer Recherche ohne Erfolg, entschloss ich mich dazu die Figur komplett selbst zu modellieren. Mit keinerlei Erfahrung in diesem Bereich, habe ich mir zuerst mal ein Buch zu diesem Thema besorgt, um mehr über Proportionen und Arbeitstechniken zu erfahren.

Ich startete also mit einem groben Drahtgestell, verbunden mit kleinen Kugeln aus Magic Sculp. Das macht es einfacher, diverse Körperteile der Endhaltung der Figur anzupassen. Danach wurden die Zwischenräume mit Masse aufgefüllt um eine grobe anatomische Rohkonstruktion zu erhalten. Diese wurde dann mit ganz dünn ausgewalzten Magic Sculp Stücken „umkleidet“. In diese wurden dann die Falten der Kleidung eingedrückt. Das ging dann von Hose bis Hemd so weiter. Der Kopf ist ein gekaufter von Hornet, lediglich die Haare habe ich selbst aufgebracht. Die Stiefel und der Colt entstammen einem Bausatz, der Rest wurde eigenhändig erstellt.

Das „Sculpten“ hat irrsinnig viel Spaß gemacht, natürlich ist das Ergebnis weit von perfekt entfernt, aber es war ein ganz guter Anfang und definitiv nicht das letzte Projekt. Leider bin ich in Sachen Figurenbemalung ein absoluter Nichtskönner und wünschte ich hätte die Figur von einem Profi bemalen lassen, aber wie sagt man so schön, man lernt nie aus.

Die Tasche wurde ebenfalls mittels Magic Sculpt erstellt, der Riemen und die Verschlüsse, wurden aus einem Teelicht Behälter (Alu) geschnitten und angepasst.

Bilder der Bauphase:


Nun genug der Worte, anbei ein paar Bilder des Endergebnisses. Ein paar Bilder habe ich zum Spaß verändert und mit einem Hintergrund aus dem Film versehen. Viel Spaß dabei.

Wer die Stimmung beim Ansehen der Bilder verbessern möchte, der sollte den Audioplayer ganz oben im Beitrag abspielen! Lautsprecher einschalten!


Das fertige Diorama:


©Helmut & Stefan Fraundorfer www.kitchecker.de

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